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Soft Rock
Gruppenkuscheln, Solokuscheln

 

Soft Rock: Songs in einer Zeit nach den Extremen

Die Popkultur der 1960er Jahre ist von Extremen geprägt: der Sinnsuche, dem Rausch. Dieses Alles-Neu!-Motto schlägt sich in extravaganten Musikstilen wie etwa dem Psychedelic Rock nieder. Als das Jahrzehnt seinem Ende zugeht, bitten die Carpenters, Elton John oder Fleetwood Mac um eine Auszeit. Sie spielen Soft Rock.

Ein gutes Beispiel ist Paul McCartney: Als einer der beiden Songwriter der Beatles öffnet er in jenem waghalsigen Jahrzehnt dem Popsong immer neue Möglichkeiten. Doch irgendwann ist die letzte Sitar gespielt. Als sich die Beatles im Jahr 1970 trennen, widmet er sich bald mit einer neuen Band dem bodenständigen Song.

Die Wings scheinen gar nicht erst darauf aus zu sein, den Konventionen der Rockmusik an die Gurgel oder in die Synapsen springen zu wollen. Paul und seine Frau Linda und die gemeinsamen Freunde, das ist jetzt die Familienaufstellung. So klingen auch die Songs der Wings: Man trifft sich zum gemeinsamen Abendessen. Man speist mit Messer und Gabel. Was ein paar Jahre zuvor eben keine Selbstverständlichkeit ist.

Ab ins Erholungszentrum

Soft Rock entsteht zunächst einmal durch den Anklang, den Rockmusik im Verlauf der 1960er Jahre findet: Er führt dazu, dass die Jugend nun eben Bands gründet, statt im Chor zu singen. Dies hat wiederum einen immensen Ideenzulauf zur Folge. Gegen Ende der 1960er Jahre entstehen Glam Rock und Jazz Rock.

Ja, man ist sogar schon soweit, dass man sich mit der Bezeichnung „Classic Rock“ von den immer neu entstehenden Spielweisen abgrenzen möchte. In diesem Spektrum der Rock-Splitter wirkt der Soft Rock wie ein Erholungszentrum. Man geht dahin, um Abstand zu gewinnen; um Distanz zu bringen zwischen sich selbst und einer Epoche, die sich dem Rauschgott Dionysos verschrieben hat.

Einfach ein bisschen zuhören

Im Gegensatz zu Exzessen und Extravaganzen verströmt Soft Rock in klassischer, kleiner Bandbesetzung den Duft des Überschaubaren. Fleetwood Mac und die Wings weichen mit Keyboards ihr Klangbild auf. Die Carpenters glänzen mit „Shalala“-Einsatz und überhaupt einem Willkomens-Gestus: „Hör mir einfach ein bisschen zu, und es wird dir ein bisschen warm ums Herz“, so scheint die Botschaft zu lauten.

Darüber hinaus eignet sich der Soft Rock durch den überschaubaren Instrumenten-Einsatz und die fast private Ansprache bis heute zum Solo-Gehen. Schon 1969 taucht mit Elton John ein der Mann am Klavier des soft Rock auf. Und auch Lou Reed veröffentlicht nach seinen Zeiten bei Velvet Underground mit Transformer
einen Höhepunkt des Soft Rock.

Nach Solo-Erfolgen von George Michael oder Norah Jones taugt auch im Jahr 2011 das Modell „Solo mit Soft Rock“: die jüngsten Erfolge von Feist aus Kanada oder den Skandinavierinnen Marit Larsen und Silje Nergaard belegen das. (cb)

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Gonzales, Steely Dan, Jackson Browne, Hall & Oates, Emiliana Torrini, Billy Joel

Alben mit Schlüsselqualitäten:

Lou Reed: Transformer [1972]
Carpenters: Now And Then [1973]
Elton John: Goodbye Yellow Brick Road [1973]
Paul McCartney & Wings: Band On The Run [1973]
Fleetwood Mac: Rumours [1977]
Norah Jones: Come Away With Me [2003]
Silje Nergaard: A Thousand True Stories [2010]
Feist: Metals [2011]

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