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Vokalmusik
Vokalmusik: Lied und Arie

 

Die Macht der menschlichen Stimme

Was man nicht sagen kann, muß man singen. "Carmens" erotische Attacken brachten Generationen von Männern um den Schlaf; wenn die "Königin der Nacht" Wut und Hass in höchsten Tönen zelebriert, ist das nach wie vor erregend, und auch der postmoderne Zeitgenosse bleibt kaum unbeteiligt, wenn er mit Schuberts "Erlkönig" durch Nacht und Wind reitet. Gesang ist direkt, abgründig, sinnlich, naiv oder reif - und auf eine merkwürdige, unentrinnbare Art ungeheuer sexy...

Wir beginnen das Leben außerhalb des Mutterleibes mit einem Schrei. Die Stimme ist das ursprünglichste und unmittelbarste Ausdruckmittel, das dem Menschen zur Verfügung steht. Und das mächtigste Musikinstrument, denn sie dient nicht nur der Übertragung rationaler Information, sondern immer auch der Mitteilung psychischer und physischer Zustände. Leiden finden ebenso Ausdruck in ihr wie Glücksgefühle, Überschwang, Verliebtheit, Sinnlichkeit und Erotik: all das verdichtet sich im Gesang. In ihm findet sich das gesamte Spektrum menschlicher Befindlichkeiten zwischen Wut und Trauer, Liebe und Hass, zwischen Kriegsgeschrei und Schlaflied.

Die abendländische Kunstmusik verfügt über eine lange Gesangstradition. Vom frühmittelalterlichen Minnesang über die verschiedenen Stufen der Gregorianik bis hin zu den formal hoch entwickelten Kantaten Buxtehudes, den grandiosen und grenzüberschreitenden Oratorien J. S. Bachs und der üppigen Barockoper Händels stand die Singstimme unverrückbar im Zentrum des musikalischen Geschehens.

Entdeckung des Spannungsbogens

Besonders in der weltlichen Musik nahm dabei die Virtuosität der Gesangsstimmen stetig zu, während der Ausdruck zumeist auf einen ?Affekt? (Wut, Leidenschaft, Sehnsucht etc.) beschränkt blieb. Erst die allmähliche Aufwertung der Instrumentalmusik ab dem 16. Jahrhundert ließ die zentrale Bedeutung des Gesangs schwinden. Dadurch eröffneten sich diesem jedoch zugleich neue Entwicklungsmöglichkeiten. Es wurden nicht länger einzelne Affekte auskomponiert, statt dessen überwogen lang angelegte Spannungsbögen und Entwicklungen, und die Arie wurde in der formalen Gestaltung immer freier. Diese Tendenz lässt sich beispielhaft anhand der Oper nachvollziehen - von Beethovens Fidelio über Wagners Musikdrama bis hin zu den Opern von Hindemith und Schönbergs im frühen 20. Jahrhundert.

Diven und Primadonnen

Eine kurze, aber bedeutende Blüte erlebte im 19. Jahrhundert das (Kunst-)Lied. Schubert begründete und vollendete diese Gattung fast im Alleingang, indem er die Lyrik der deutschen Romantiker in Kompositionen für Solostimme und Klavier umsetzte. Er gab der musikalischen Romantik damit wesentliche Impulse. Komponisten wie Mendelssohn-Bartholdy und Brahms widmeten sich in Schuberts Nachfolge dem klavierbegleiteten Lied, während andere, wie Liszt, Mahler und später auch Vertreter der Neuen Musik im 20. Jahrhundert, das Lied gar zum Ideal für ihre gesamte - auch sinfonische - musikalische Arbeit erhoben.

Zu guter letzt lebt die Vokalmusik von ihren Interpreten, den Diven und Primadonnen. Namen wie Enrico Caruso, Maria Callas, Battle, Norman Jessye, Terfel oder die 3 Belcanto-Tenöre Pavarotti/Carreras/Domingo stehen für die Popstars unter den Solisten. Ob "E" oder "U", der Star ist der Sänger. Wie viel das tatsächlich mit Sex-Appeal zu tun hat, zeigt beispielhaft Farinelli.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Giuseppe Verdi

Einige Alben mit Schlüsselqualitäten:

Georges Bizet (1838-1875): Carmen
Franz Schubert (1797-1828): Die schöne Müllerin
Ludwig van Beethoven (1770-1827): Fidelio
Johann Sebastian Bach (1685-1750): Bach 2000
Johannes Brahms (1833-1897): Lieder
Gustav Mahler (1860-1911): Das Lied von der Erde
Die großen Primadonnen des 20. Jahrhunderts
The Three Tenors In Concert 1994