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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Breakdance
Das Zucken des MaschinenMenschen

 

Der Funk wird elektrisch: Breakdance

Ende der 70er Jahre werden an West- und Ostküste der USA verschiedene Tanzstile populär, die bald unter dem Begriff "Breakdance" zusammen gefasst werden. Ihnen gemeinsam ist die Überwindung menschlichen Ausdrucks beim Tanzen, hin zum Schaffen maschinenhafter Bewegungen. Gebreakt wird auf den Blockpartys eines Grandmaster Flash oder Afrika Bambaataa in der New Yorker Bronx. In Kalifornien dagegen entwickelt sich der Electro-Funk als Musik des Breakdance.

Mit dem Breakdance ist es eine quere, verworrene Geschichte, weil die alltäglichen Zuständigkeiten heute so überaus klar scheinen. Denn klar, Breakdance bildet wie DeeJaying, Rappen und Graffiti eine der vier Säulen des HipHop. Und sollte als solche doch ganz klar zum Rap getanzt werden. So einfach hat sich die Geschichte allerdings nicht zu getragen. Denn gebreakt wird in den Siebziger Jahren sowohl in Kalifornien, als auch in New York. Aus Fresno und L.A., und eben auch aus der Bronx kommen die Reklamationen: Wir waren die Ersten.

Damit alles noch etwas komplizierter zu erzählen wird, führt der Tanz der B-Boys an der Ostküste tatsächlich zu der in Filmen wie Wildstyle und "Beat Street" erstmals dokumentierten Kultur "HipHop". Dort wird zu der Musik der Blockparties gebreakt: Soul, Funk, auch die Pop-Futurismen der Düsseldorfer Kraftwerk werden zu einem schlagkräftigen Mix verwoben, von DeeJays wie dem Scratch-Erfinder Granwizzard Thedore und Grandmaster Flash, der die Technik des Scratchings schnell weiter entwickelt und für lange Zeit zum wohl bekanntesten DJ der Bronx wird.

Zwei weitere Namen sind aus unterschiedlichen Gründen eng an den Breakdance als HipHop-Tanz gebunden. Die Eltern von Kool DJ Herc wandern 1967 in die USA ein, aus Jamaica. Herc, eine Abkürzung von Herkules, ist da 12 Jahre alt. Mündlicher Überlieferung zufolge ist er es, der sich zu Beginn der 70er Jahre als erster überhaupt zwei Exemplare der gleichen Platte kauft, um die Rhythmusparts zu loopen, also mittels eines Mehrkanal-Mixers von einem Track-Teil zu dem auf dem anderen Plattenteller über zu blenden. Damit ist der Breakbeat geboren, und mehr noch. Auf Kool Hercs Partys in der Bronx und in Harlem erfinden seine Freunde einen hochathletischen Tanz dazu. Sobald er seine "Breaks" mixt, ruft er über das Soundsystem die Parole aus: "B-Boys Go Down!" Und die Jugendlichen beginnen mit ihren Kreationen, wobei sie die Tanzfiguren aus Kampfsportarten wie Kung-Fu und Capoeira entlehnen.

Fast schon zehn Jahre später, als die ersten HipHop-Platten wie The Message die Charts erreichen, ist dann die Kultur HipHop aus diesem Geist geboren. Noch immer messen sich Straßen-Gangs oder Cliquen im Breakdance, doch tun sie es längst als Ersatz für gewaltsame Kämpfe. Auch das Wrtiting gehört dazu, also das Hinterlassen eigener Tags (Namens-Schriftzüge) und Pieces (größerer, gesprayter Bilder). Der Rap natürlich ebenso.

Zwischen Ballett und Battle Of The Year

Der weitere wichtige Name der Ostküste ist Afrika Bambaataa: Stellt er doch so etwas wie ein musikalisches Bindeglied zu den Breakdance-Zentren in Kalifornien dar. Denn in seinen großen Tracks wie Looking For The Perfect Beat und vor allem Planet Rock ist eine große Begeisterung für den futuristischen Pop herauszuhören, wie ihn etwa die Düsseldorfer Band Kraftwerk produziert. Und ohne diese Gruppe ist auch der im Westen und Süden entstehende Electro-Funk kaum vorstellbar.

In L.A. etwa sind es The Arabian Prince, The World Class Wreckin' Cru oder The Egyptian Lover. Zu ihrem Electro erfinden die Jugendlichen ihre eigenen Figuren. Den Breakdance bis heute geprägt haben etwa das Zucken des Electric Boogie: Angesichts der Begeisterung für das Artifizielle, für das Maschinenhafte wirken die Körperbewegungen im Nachhinein wie eine Vorahnung des digitalen Zeitalters - nur wenige Jahre nach dem Breakdance wird auch der Personal Computer in die Zeitgeschichte geworfen.

Der Maschinenfunk schließlich lässt in Miami mit der Bass Music und in Detroit mit Techno zwei neue Geschichten losgehen. Dafür ist Breakdance mit seinen Freezes (eingefrorene Bewegungen), Headspins (Drehungen im Handstand) und Poppings (comichaftes Tanzen) längst in Pop-und "Hoch"-Kultur eingegangen. So etwas wie die unoffizielle Weltmeisterschaft findet alljährlich in Deutschland statt, die Battle Of The Year mit unzähligen kontinentalen Qualifizierungswettbewerben. Ebenso hat Breakdance längst das moderne Ballett infiltriert.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Man Parrish, Rock Steady Crew, Freestyle, Jedi Knights, Cold Crush Brothers, Cosmic Force, Malcolm McLaren, Mr. Freeze

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Kraftwerk: Trans-Europa Express [1977]
Grandmaster Flash & The Furious Five: The Message [1982]
Jonzun Crew: Lost In Space [1983]
V.A.: Wildstyle Soundtrack [1983]
Newcleus: Jam On Revenge [1984]
Afrika Bambaataa: Planet Rock - The Album [1986]
Cybotron: Clear [1990]
V.A.: Battle Of The Year Compilation [2003]