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GENRES

Motown
Hitfundus der Popmusik

 

Der Ex-Fließbandarbeiter und sein Soul-Label: Motown

Der ehemalige Fließbandarbeiter Berry Gordy gründet 1959 ein Label, dessen Name bald schon als Synonym für Soul und auch als eigene Genrebezeichnung verwendet wird. Motown verdankt diesen Ruhm der gewieften Geschäftspolitik Gordys, seinem Gespür für Künstler wie die Supremes, Jackson 5 und Stevie Wonder. Und auch vielen Leuten im Hintergrund.

Berry Gordy lebt in Detroit und zählt in diesem Jahr 1960 bereits zu den angesehenen Songwritern in den USA. Bevor er Smokey Robinson, den Sänger und Songwriter der Miracles kennen lernt, hat er schon zwei Hits geschrieben: "You Got What It Takes" für die Sängerin Mary Johnson und, noch berühmter, Reet Petite, das in der Originalversion von Jackie Wilson intoniert wird. Als Gordy sich glänzend mit Robinson versteht und die beiden eine langfristige Kooperation vereinbaren, können sie sich dennoch nicht ausmalen, bald den weltgrößten Medienkonzern in afro-amerikanischer Hand zu führen. Denn die Gründung der "Motown Recording Corporation" erfolgt, als Gordy die noch etwas halbherzige Idee eines eigenen Labels seinem Freund Robinson darlegt - und der ermutigt Gordy zu dem Schritt.

Die Zeit ist auch die richtige, sowohl was die persönliche Gordy-Biografie betrifft, als auch den Musikgeschmack der Zeit. Gordy kommt aus einfachen Verhältnissen und hat erst einmal Jahre lang am Fließband bei Ford gearbeitet, bevor er die ersten Dollars für die eigenen Songs einstecken konnte. Ein eigenes Label mit eigenem Studio führt da den Weg der persönlichen Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit nur fort. Außerdem zeigen Künstler wie Ray Charles, dass die Musik afroamerikanischer Künstler auch von einem weißen Publikum aufgenommen wird. Soul liegt in der Luft und gibt Mut für nächste Schritte.

Mit den Miracles geht Gordys Rechnung schnell auf: Ende 1960 erscheint ihr Shop Around auf Tamla, einem der vielen Unter-Label von Motown. Es gelangt an die Spitze der eigens erhobenen R’n’B-Charts und auf den zweiten Platz der Pop-Hitparade. Bis Mitte der 70er Jahre werden sie immer wieder in den Top Ten landen, wobei You Really Got A Hold On Me aus dem Jahr 1963 und The Tears Of A Clown 1970 zu ihren bekanntesten Songs gehören. Bis 1963 zählen bereits die späteren Stars Marvin Gaye und The Supremes zur Palette des Labels. Sie werden berühmt, als im gleichen Jahr die Männer ihre Arbeit aufnehmen, die mit ihrem speziellen Klangbild den "Motown Sound" erfinden.

Strenges Regiment

Lamont Dozier, Eddie Holland und Brian Holland erledigen als Trio gemeinschaftlich ihre Songschreiber-, Texter- und vor allem auch Produzenten-Aufgaben. Sie entwickeln einen durch Betonung auf die ungeraden Achtel im 8/8-Metrum swingenden Groove. Noch heute gilt er unter Schlagzeugern schlicht als "Motown-Rhythmus". Auch die nie konstruiert klingende Einbindung von Gospel-Elementen wie emphatischer Gesang und das Vorgabe-Antwort-Prinzip sowie einprägsame Melodien machen den Motown-Sound so leicht wieder erkennbar. Und neben Holland-Dozier-Holland gibt es noch eine weitere Konstante: die Studio-Aufnahmen werden von einer bestens auf die Produzenten eingestimmten Gruppe eingespielt, den Funk Brothers. Die 2002 auch in deutschen Kinos gezeigte Doku "Standin' In The Shadows Of Motown" zeigt eindringlich, zu welch miserablen Arbeitsbedingungen welch eine fantastische Musik die Band um den Bassisten James Jamerson erzeugen konnte.

Sie stehen eben nicht nur im Schatten der Motwon-Stars, sondern auch unter dem strengen Regiment des Berry Gordy. Er unterhält eine straff organisierte Hitfabrik, zu der auch noch ein Extra-Benimm-Management gehört. Es macht aus den Straßen-Girls der Supremes elegante Ladys in Handschuhen. Andererseits führt diese krasse Ausbeutung, die der ehemalige Fabrikarbeiter nun seinerseits betreibt, zu sowohl künstlerischen wie auch kommerziellen Erfolgen. Bis heute dient Motwon mit seinen Songs als Fundus der Popmusik. Aus Stevie Wonder und Marvin Gaye werden zwei der größten Soulsänger aller Zeiten, aus dem Jüngsten der Jackson 5 wird später mal der King Of Pop, und Can't Hurry Love und Where Did Our Love Go von den Supremes zählen zu den wohl meist gecoverten Songs der jüngeren Musikgeschichte. In den etwas mehr als 10 Jahren zwischen August 1963 und November 1973 landet Motown 34 verschiedene Nummer Eins-Hits in den USA. Erst Mitte der 70er Jahre wird Motown vom härteren Philly Sound als Leitidee des Soul abgelöst, und 1988 muss Berry Gordy sein Unternehmen verkaufen. Heute gehört es zum Universal-Konzern.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

The Spinners, Kim Weston, The Temptations, Tammi Terell, Brenda Holloway, The Marvelettes, Mary Wells

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Marvin Gaye: What's Going On [1971]
Stevie Wonder: Talking Book [1972]
The Four Tops: The Ultimate Collection [1997]
Gladys Knight & The Pips: The Greatest Hits [2000]
V.A.: Hitsville USA ? The Motown Singles Collection 1959 - 1971 [2000]
Jackson 5: Anthology [2001]
The Miracles: Tears Of A Clown [2004]
The Supremes: Gold [2005]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Wir singen weiter (Soul), "The Matrix" zum Hören (R’n’B) oder Soviel Soul auf einmal ("Philly Soul").